Füttern eines Säuglings mit einer Spritze bei Nacht im Bett der Eltern

Füttern in der Nacht

Das Füttern in der Nacht ist bei allen Säuglingen herausfordernd. Bei Kindern mit Pierre-Robin-Sequenz kann sich die Lage nochmals deutlich anstrengender gestalten. In diesem Artikel haben wir auf Basis unserer eigenen Erfahrungen und Entwicklungen zusammengefasst, wie wir das Füttern in der Nacht für uns „perfektioniert“ haben.

Hauptproblem: Stillen

Das Hauptproblem beim Füttern in der Nacht ist, dass Kinder mit Pierre-Robin-Sequenz i. d. R. nicht natürlich gestillt werden können. Auch das klassische Fläschchen ist in dieser Form nicht möglich. Es bleiben daher nur zwei Optionen: Spritze mit Feeder oder Playtex-Fläschchen.

Spritze mit Feeder

Die Spritze mit Feeder hat den Vorteil, dass man auch sehr jungen Kindern bereits eine verhältnismäßig große Menge Muttermilch bzw. Pre-Nahrung verabreichen kann. Pro Spritze à 25 ml sind teilweise nur wenige Minuten notwendig.

Playtex-Fläschchen

Das Playtex-Fläschchen ist ein Spezialfläschchen, das anders als klassische Fläschchen funktioniert. Das kann trotz der fehlenden Saugfähigkeit Milch zu sich nehmen. Entweder tröpfchenweise oder mehr mit Druckunterstützung auf den Beutel bzw. Silikonbeutel.

Folge: Aufstehen

Was Mütter bzw. Eltern, die nicht stillen (können) ebenfalls kennen: Will man das Kind in der Nacht füttern, muss man aufstehen und die Milch zubereiten bzw. warmmachen. Im schlimmsten Fall schreit das Kind mehrere Minuten und weckt das ganze Haus inklusive ggf. vorhandenem Geschwisterkind auf. Das war’s dann i. d. R. mit der Nacht. Je nach Uhrzeit kann das den ganzen Tag aller in der Wohnung sehr stark negativ beeinflussen.

Wir überlegten daher, wie wir den Prozess effizienter gestalten können. Wir probierten verschiedene Varianten aus, was wir Euch ebenfalls raten. Nicht alles funktioniert bei jedem gleichermaßen.

Unsere Rahmenbedingungen waren so, dass das Schlafzimmer und das Zimmer des Geschwisterkind auf einem Stock waren. Kühlschrank mit Milch und Wasserkocher auf einem anderen Stock. Das Kind schlief in den ersten Monaten in einem eigenen Bett in unserem Schlafzimmer.

1. Versuch: Mit dem Kind in die Küche

In den ersten Tagen wurde das Kind vom Hausmonitor abgestöpselt, aus dem Bett genommen und es ging auf einen anderen Stock in die Küche. Dort wurde der Wasserkocher eingeschaltet, die Muttermilch aus dem Kühlschrank genommen, in einem Wasserbad erwärmt und anschließend gegeben.

Nachteil: Abhängig von der Lautstärke des Kindes, wachte das Geschwisterkind auf, da man sich im Hausgang und in einem hallenden Treppenhaus bewegte.

2. Versuch: Aufgabenteilung

Nach wenigen Tagen versuchten wir eine neue Variante: Ein Elternteil ging in die Küche und bereitete die Milch vor. Parallel wurde das Kind aus dem Bett genommen und im Elternbett auf dem Arm des anderen Elternteils „bei Laune gehalten“. Funktionierte definitiv besser.

3. Versuch: Milchlagerung im Schlafzimmer

Die beste Möglichkeit wäre die Milch im Schalfzimmer und somit in unmittelbarer Nähe zu Eltern und Kind zu lagern. Das geht unter Umständen, denn Muttermilch ist ungekühlt etwa vier bis sechs Stunden haltbar. Da unser Kind jedoch erst etwa fünf Stunden nach dem Schlafgehen Hunger hatte, war uns das zu unsicher. Zudem hätte die Milch dann lediglich Zimmertemperatur, was in dem Fall 18 Grad entsprochen hätte.

Eine Überlegung war daher, die Milch in einer Kühltasche oder eine Kühlbox ggf. mit Kühlelementen zu lagern. Das löst die Haltbarkeitsproblematik, allerdings ist die Milch dann definitiv zu kalt zum Füttern.

Es musste ein Aufwärmmöglichkeit her. Da wir, wie erwähnt, nur eine Schale und einen Wasserkocher verwendeten, wäre das eine Option. Allerdings wollten wir keinen Wasserkocher in unserem Schlafzimmer. Versuche mit Thermoflaschen u. ä. sind gescheitert, da die Wärme des Wassers nicht dafür ausreichte, um schnell Milch aufwärmen zu können.

Irgendwann kam die Idee, eine Thermoskanne für Kaffee zu verwenden. Diese hielten erfahrungsgemäß sehr lange Kaffee heiß, teilweise sogar über mehr als zwölf Stunden. Genau das funktionierte sehr gut und war zweckmäßig.

Ergebnis

Für uns funktionierten alle Versuche grundsätzlich. Allerdings konnten wir mit der dritten Option die größten Effekte erzielen:

  • Kein nächtlicher Stockwechsel mehr
  • Kein Balancieren des Kindes in der Küche
  • Deutliche Verringerung der nächtlichen Vorbereitungszeit
  • Drastische Reduzierung des Aufwachrisikos des Geschwisterkinds
  • Schnelleres Einschlafen nach dem Füttern dank weniger Bewegung

Die Vorbereitungen am Abend vor dem Schlafengehen sind etwas größer (Kühltasche mit Kühlelement, heißes Wasser in Thermoskanne füllen), aber nachts geht’s deutlich schneller. Zudem ist alles zumindest theoretisch alleine möglich.

Fazit

Es gibt nicht die passende Lösung für alle. Jedoch kann etwas Experimentierfreude durchaus zu sehr guten Ergebnissen führen. Denn wir haben nachts alle Besseres zu tun, als Ewigkeiten Vorbereitungen treffen zu müssen, um füttern zu können.

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